FQ – Das Spiel von Arpad von Tóth

Was bedeutet es reich zu sein?

Ich hatte neulich eine interessante Unterhaltung mit einem Freund. Wir beide interessieren uns für Vermögensaufbau, Investieren und nachhaltiges Wirtschaften. Das machen ja irgendwie alle, die vermögend sind. Beide aus der Mittelklasse kommend haben wir uns eines zum Ziel gesetzt: wir wollen reich werden, stinkreich!

Aber dabei geht es uns nicht ums Geld oder materiellen Wert. Reichtum definieren wir anders. Reichtum sind für uns eine starke Familie, gute Freunde, unvergessliche Momente, viel Sport und Bewegung, horizonterweiternde Reisen, nützliches und anwendbares Wissen und noch so viel mehr…

Wir dachten also mal laut: Der Otto-Normal-Verbraucher geht 8 Stunden (oder mehr) pro Tag arbeiten, inklusive An- und Abreise ist er also über ein Drittel seines Arbeitstages für seinen Arbeitgeber unterwegs. Er verkauft seine Lebenszeit, um sich von dem Geld, das er erarbeitet hat, sein Leben zu finanzieren.

Der Reiche hingegen muss nicht für sein Geld arbeiten. Das Geld arbeitet für ihn. Während er seinen Wohlstand verwaltet, sucht er stets nach weiteren Möglichkeiten ihn zu vergrößern, ohne dass er dafür zeitliche Ressourcen aufbrauchen muss: der Reiche hat Zeit.

Der Ausspruch „Zeit ist Geld“ macht erst dann richtig Sinn, wenn man sich vergegenwärtigt, dass man nicht für sein Geld arbeiten müsste, wenn man es bereits hätte. Dieser Umstand öffnet die Tür für eine riesige Fülle von Möglichkeiten sein Leben zu gestalten. Das Leben wäre reich an verschiedenen Lernprozessen, Erfahrungen und sogenannter quality time, der Zeit mit sozialen Kontakten.

Planlos, ratlos, ideenlos

Mein Freund und ich waren fasziniert von dieser Idee. Nur sind solche Dinge immer leichter gesagt als getan. Wo erhält man einen Matchplan für so eine – zugegebenermaßen ambitionierte – Unternehmung? In der Schule muss das Fach Vermögensaufbau wohl noch eingeführt werden und einen Studiengang im Finanzwesen war uns beiden aufgrund der 5 in Mathe verwehrt (wohl besser so).

Je mehr wir darüber nachdachten desto erstaunter waren wir, dass die Themen Immobilien, Kreditwesen und Versicherungen – also all die Themen, die unmittelbar an das Thema Vermögensaufbau und finanzielle Bildung gekoppelt sind – in keiner der vom Leben geprägten Institutionen vermittelt wird. Also machen wie Mama und Papa? Und was, wenn die es auch nicht wissen?

Finanzdienstleister der Banken und Sparkassen bieten „Premium Produkte“ an, die einen sicheren Vermögensaufbau garantieren. Unser Finanzberater schwört auf Stein und Bein, dass der Investmentfonds (Obacht, erstes Fremdwort) XY der brandheiße Tipp für eine goldene Zukunft sei. Ist das so? Wieso ist dann ein Berater für Finanzprodukte, oder besser gesagt der Verkäufer, bei einer Bank angestellt und nicht selbst längst schon finanziell unabhängig? Mein Freund und ich kamen ins Grübeln.

Also, erstmal „reich werden“ gegoogelt und, Holla die Waldfee, an Angeboten mangelt es sicher nicht. Webseiten, Bücher, Coaches, Workshops, Erklärvideos… Jeder verspricht „das Leben, das Sie immer wollten: Erfolg, Freiheit, Freizeit, Unabhängigkeit, mehr vom Leben…“

Der erste Begriff, der uns immer wieder begegnete, war das Mindset. So ist der allgemeine Konsens in der Welt der Reichen in spe, dass es bei dem Großteil der Leute, die scheitern, an der Denkweise liegt. Negative Glaubenssätze und eine von Zweifeln dominierte Grundeinstellung limitieren die Vorstellungskraft für die Möglichkeiten, die wir haben, heißt es. Von Dingen der „Unmöglichkeit“ und „Utopie“ zu sprechen, sei typisch für Nein-Sager und Neider. Gut, verstanden – positiv bleiben!

Das nächste Zauberwort, über das wir wiederholt stolperten, ist das passive Einkommen. Wir brauchen also einen Geldfluss, der uns Einkünfte generiert, für die wir keine Zeit aufwenden müssen. Dieser Geldfluss sollte im Idealfall unsere monatlichen Fixkosten, also Miete, Einkäufe, Strom, Benzin, Konsum etc. übersteigen. Aha, klingt logisch.

Aber wie und wo fängt man an? Wo werden Grundlagen vermittelt und vor allem, wie sieht das Ganze in der Praxis aus? Gerade der Gedanke der Anwendung lässt uns nicht los, da wir dieses Wissen ja nicht nur für uns horten, sondern auch weitergeben wollen. Da wir langfristig das Ziel haben unser generiertes Wissen auch weiterzugeben, man denke hier an unseren Nachwuchs, suchen wir eine Methode, die uns bestmöglich auf den Praxisfall vorbereitet – also auf das reale Leben.

Spielend zur finanziellen Bildung

Und tatsächlich, nach endlosem Geklicke durch das weltweite Netz, Lesen von Rezensionen und Schauen von Beispielvideos von den „Self-made-men“ fanden wir etwas, das genau das zu sein scheint, was wir suchten. Und, es ist mindestens so einfach wie genial: ein Gesellschaftsspiel. Da denkt man als erstes wohl an Monopoly oder das Spiel des Lebens. Aber Árpád von Toths FQ – König der Finanzen ist nicht nur ein Spiel. Das vermittelte Wissen über Finanzen ist mit einem Training a la learning by doing verknüpft mit dem man sich zum König der Finanzen krönen kann.

Das Spiel gleicht dem Prinzip von Monopoly, geht aber deutlich mehr in die Tiefe. Der Spielautor hat an alles gedacht: Einkommen, Rücklagen, Kredite, Verbindlichkeiten, Insolvenz, aber auch individuelle Weiterbildungsmöglichkeiten und Lebensentscheidungen werden berücksichtigt. So kann ein Spieler beispielsweise Kinder bekommen, wenn er möchte, oder Geld spenden. FQ hat alle finanziellen Facetten des realen Lebens adaptiert und gibt die Möglichkeit die verschiedenen Szenarien (in kleinerer Dimension) nachzuspielen.

Die verschiedene Felder auf dem Spielfeld simulieren Lebensumstände und geben dem Spieler die Möglichkeit seine Finanzen, etwa durch Investitionen, aktiv in die Hand zu nehmen oder beschneiden ihn finanziell durch Abgaben an die Bank. Dazu gehören darüber hinaus noch beispielsweise Fortbildungsmaßnahmen, News oder Arbeitslosigkeit. Für mehr Flexibilität im Spiel gibt es die Möglichkeit verschiedene Spielvarianten auszuprobieren. Und falls mal sich mal Fragen zu all dem „Fachchinesisch“ ergeben, gibt es ein Glossar, in dem alle Begriffe einfach erklärt sind.

Insbesondere das Buchführen, das „auf dem Weg aus dem Hamsterrad“ wie es von Tóth ausdrückt, unerlässlich ist, stellt einen wichtigen Baustein beim Erlernen des Haushaltsmanagements dar. Diese Strategie eignet sich perfekt für den Alltag und hilft seine Finanzen zu überblicken. Auch hier macht Übung den Meister. Wir mussten feststellen, dass die vielen zum Teil englischen Fachbegriffe zwar eine Weile brauchten, um sich in unseren Köpfen einzubrennen, jedoch ein schneller Lerneffekt eintrat, als sie sich ständig wiederholten. Das Haushalten zum zentralen Leitmotiv des Spiels zu machen, ist ein wahrer Geniestreich von Tóths.

Ein weiteres Kernelement von FQ ist das Messen von Erfolgen. Ziel ist es dem Hamsterrad zu entkommen, was anhand von einfachen Berechnungen von Einkommen und Ausgaben ermittelt werden kann. Das heißt, der Spieler beobachtet seine finanzielle Situation permanent und vermeidet so unnötige Ausgaben, genau wie im echten Leben (das soll mir eine Lehre sein, wenn ich das nächste Mal einen Elektrofachhandel betrete).

Die Rahmenspielhandlung hat der Spielerfinder so gestaltet, dass elementares Grundlagenwissen ebenfalls als Spielgrundlage fungiert. So kann kein Spieler Investitionen tätigen, ohne sich nicht ein Notfallpolster angespart zu haben. Was Finanzlaien vorher also nicht wussten, wird vom Spiel sofort als unveränderbarer Zustand gegeben. Der Lerneffekt ist de facto logische Konsequenz.

Was uns besonders gefallen hat: das Spiel ist für Spieler ab 14 Jahren geeignet, also ideal, um das Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. So haben die Sonntage mit der Familie einen unbezahlbaren Mehrwert. Meinem Filius werde ich sagen, dass wenn er mich fünf Mal besiegt, er den Führerschein von Papa bezahlt bekommt. So gewinnen wir letztendlich beide. Das Schöne ist zudem, dass es nicht nur einen Gewinner gibt. Jeder, der es schafft, finanziell unabhängig zu werden, gewinnt – und zwar nicht nur das Spiel, sondern auch lebenswichtige Erfahrung in Form von nachhaltiger, finanzieller Bildung, die er direkt im echten Leben anwenden kann.

Fazit
Wir halten das Spiel für einen wahren Schatz! Es macht nicht nur eine Menge Spaß sich im simulierten Leben via Zeitraffer ein kleines Vermögen aufzubauen, es ist ideal zum Erhalt von finanzieller Bildung im Ganzen. Was Schulen, Universitäten und auch viele Elternhäuser nicht zu lehren vermochten, kann mit FQ nachgeholt werden. Das Ziel des Spiels ist eindeutig die finanzielle Bildung zu fördern, sodass es am Ende möglicherweise sogar mehrere Gewinner gibt. Schließen möchte ich diesen Blogeintrag mit den Worten Benjamin Franklins, die von Tóth zu Anfang der Spielanleitung passender hätte, nicht wählen können: „Wenn du denkst, dass finanzielle Bildung teuer ist, versuche es mal mit Unwissenheit!“

Die vermittelte finanzielle Bildung aus dem Spiel hat der Autor bereits in einem sehr kompakten, einfach verständlichen Buch abgefasst. So hat man bei der nächsten Runde FQ schon einen Vorteil ohne zu Schummlen…

FQ Spiel 4

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