Nazis und Schädel (ein Kommentar von Andreas Baaske)

Wer in Deutschland lebt und ab und zu ein bisschen was schreibt, wird sich früher oder später fast zwangsläufig mit der Nazi-Zeit auseinandersetzen müssen. So geht’s mir heute auch, besonders nachdem ich in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel laß, der mich gelinde gesagt etwas schockiert hat.

Wolfgang Benz schreibt in seinem Artikel zum Buch von Historiker Julien Reitzenstein , dass die Zunft der Historiker und Fachexperten ganze 70 Jahre lang die Lügen eines Mannes geglaubt hat, der nur versuchte seine eigenen Verbrechen zu vertuschen. Erst durch das Buch konnte dieser Mann wohl enttarnt werden. Man fragt sich bei diesem Befund dann doch, wer noch alles seine Schuld unter den Teppich gekehrt hat und bislang noch nicht als Kriegsverbrecher überführt werden konnte.

Und was sagt das über uns als Gesellschaft? Benz schreibt, dass „Die Saga von den wenigen Monstern, die das Böse verkörpern und so viele Ahnungslose als Gehilfen in ihre Dienste nahmen […]zur Lebenslüge der Tätergeneration [wurde]. Da ist wohl wirklich etwas dran, wenn wir leichtfertig den Geschichten von Altnazis Glauben schenken, nur weil wir gerne glauben wollen, dass es nur einige wenige böse Menschen gibt und es uns zu sehr beängstigt, dass das Böse der Nazis womöglich auch in den einfachsten Bürgern geschlummert hat.

Ich für meinen Teil hoffe, dass es noch mehr Bücher wie das von Reitzenstein gibt, damit wir alle endlich den Spiegel vorgehalten bekommen, der uns zeigt, dass wir mit der Aufarbeitung der Verbrechen unserer Vorväter noch lange nicht fertig sind. Die Lügen die Mörder und Folterknechte werden früher oder später dann doch ans Tageslicht kommen.

Julien Reitzenstein, Historiker und Autor, ist laut meiner Internetrecherche bereits bekannt dafür auch konfliktreiche Veröffentlichungen nicht zu scheuen und hat beispielsweise schon dafür gesorgt, dass dem Bundespräsident bewusst wird, dass auch er von den Nazi-Verbrechen unmittelbar betroffen ist, weil seine prächtige Dienstvilla von Juden geraubt wurde. In dem vorgestellten Buch geht es um die sogenannte „Straßburger Schädelsammlung“. Allein der Name lässt mir schlecht werden und die Erkenntnisse dieses Buches sind erst recht furchtbar.

Herr Reitzenstein, Sie haben meinen Respekt dafür, dass Sie sich so intensiv mit diese Thema auseinandergesetzt haben. Ich möchte gar nicht wissen, wie häufig Ihnen bei den Recherchen übel geworden ist.

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