Beliebte Oldtimer und ihre Geschichten

Die Liebe zu Oldtimern wächst in Deutschland. Und das seit Jahren kontinuierlich. Jahr für Jahr werden neue H-Kennzeichen angemeldet, die selbstständigen Reparaturen und Restaurationen sind ein beliebtes Hobby in allen Altersklassen. Dabei sind es nicht nur PKW, die restauriert und gesammelt werden, sondern auch Nutzfahrzeuge, Zugmaschinen und natürlich Motorräder. Parallel zu diesem Trend werden jährliche Statistiken herausgegeben, welche Oldies die beliebtesten sind. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle drei davon vorstellen und ein wenig der Geschichte dahinter enthüllen.

Das H-Kennzeichen

Verliehen wird das H-Kennzeichen an Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre und technisch einwandfrei sind sowie sich im originalen Zustand befinden. Dabei stehen deutsche Marken seit Jahren ganz oben auf der Beliebtheitsskala, etwa 70 Prozent aller Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre sind, sind von deutschen Herstellern. Die deutschen Wagen bekommen jedoch Konkurrenz aus Fernost: Mit Toyota, Nissan, Mazda und Co. drängen die japanischen Autos kontinuierlich vorwärts.

Das H-Kennzeichen hat dabei nicht nur einen symbolischen Stellenwert für die Besitzer der Autos, es hat auch eine große Bedeutung für den Erhalt der Wagen als Kulturgut. Dank des speziellen Kennzeichens bemühen sich Jahr für Jahr Menschen für den Erhalt historischer Fahrzeuge. Allerdings fordert der Gesetzgeber für die Verleihung des Kennzeichens spezielle Prüfungen und Gutachten, die einige Fahrzeugbesitzer scheuen. Auch aus diesem Grund legt nicht jeder Besitzer eines historischen Fahrzeuges Wert auf ein solches Kennzeichen. Darüber hinaus lohnen die steuerlichen Bedingungen nicht für jedes Auto – die Besitzer einiger Fahrzeuge, die nur saisonal gefahren werden oder zu wenig Hubraum haben, müssten mit einem H-Kennzeichen ein deutliches Plus an Steuern zahlen.

Diese Oldtimer sind besonders beliebt

vw-kaefer1: Der VW-Käfer: Millionen Familien werden sich mit Verzweiflung ebenso wie mit Liebe an ihn erinnern: Der charakteristische Kleinwagen, in den man bei den gemeinsamen Urlaubsfahrten beinahe unmöglich sein Gepäck einladen konnte und dessen Heizung in eisigen Wintern partout nicht funktionieren wollte. Dennoch lieben diesen Wagen noch heute tausende Fans auf der ganzen Welt.

Begonnen hat die Geschichte dieses Wagens in der dunklen Zeit des dritten Reiches, in der Wolfgang Porsche ein „Exposé, betreffend den Bau eines deutschen Volkswagens“ präsentierte. Bereits 1931 hatte der Konstrukteur einen Heckmotorwagen für die Firma Zündapp hergestellt und seine Ideen ausgereift. Dennoch dauerte es noch vier Jahre, bis der erste Prototyp gefertigt wurde, nachdem der Reichsverband der Automobilindustrie am 22. Juni 1934 einen Vertrag mit Porsche schloss. Es sollte ein Volkswagen im wahrsten Sinne des Wortes gebaut werden. Nach der Präsentation des Prototyps dauerte es ein weiteres Jahr, bis drei Testmodelle sich zu ausgedehnten Testfahrten aufmachten. Im Februar 1937 wurde der Wagen, der zu diesem Zeitpunkt bereits seine charakteristische kugelige Form besaß, von Adolf Hitler begutachtet und für gut befunden. Um eine möglichst zügige Motorisierung des Volkes zu ermöglichen, wurde am 26. Mai 1938 der Grundstein für ein erstes Automobilwerk in Fallersleben gelegt. Bald schon stellte Ferdinand Porsche zahlreiche Möglichkeiten vor, wie der Wagen variiert werden könnte: als Limousine, mit Faltdach oder als Cabriolet. Die Deutschen waren begeistert und zahlreich bereit, die 990 erforderlichen Reichsmark für ihren Volkswagen auszugeben. Dennoch mussten die meisten von ihnen leer ausgehen, da bald schon das Werk nicht mehr für die Herstellung des beliebten Autos, sondern für Rüstungsgüter genutzt werden musste. Nach Kriegsende lag das Werk in Schutt und Asche – und der Ort bekam einen neuen Namen: Wolfsburg. Und so wie die Stadt wieder aufgebaut wurde, konnte auch der Bau der Volkswagen wiederbelebt werden. Bereits im Jahr 1947 wurden erste Exemplare in die Niederlande exportiert, zwei Jahre später wurden die ersten Wagen in die USA geliefert. Dort wurde dem Auto auch sei bis heute geläufiger Name gegeben: „Beetle“ – der Käfer.

In den Folgejahren wurde die Produktion kontinuierlich angekurbelt – und ordentlich verbessert. An kaum einem Auto wurden im Laufe der Zeit so viele Veränderungen und Verbesserungen ursprünglicher Fehler vorgenommen. Am 17. Februar 1972 wurde mit dem 15 007 034. Exemplar der Produktionsrekord des Ford T-Modells eingestellt. In der Zukunft sollte es jedoch nicht mehr allzu lange dauern, bis der Wagen von anderen Modellen wie dem Passat oder dem Golf verdrängt wurde. Ende 1978 lief dann in Emden der letzte in Deutschland gebaute Käfer vom Band. Fortan waren nur noch Modelle aus Mexiko erhältlich, mit Ausnahme eines Cabriolets, das 1980 in Osnabrück gebaut wurde. 1981 gab es in Mexiko Grund zu feiern: der 20-millionste Käfer rollte vom Band. Doch 1986 wurde der offizielle Käfer-Import nach Deutschland eingestellt und beinahe 17 Jahre später kam es zum offiziellen Produktionsende.

 

mercedes-w-1232: Der Mercedes W 123: Im Jahr 1976 wurde der erste W123 in Südfrankreich einem bald schon begeisterten Publikum vorgestellt. Ein Wagen, der bald schon Kultstatus erreichte und noch heute häufig im Straßenverkehr zu sehen ist. Bereits einige Jahre nach Beginn seiner Produktion sollte sich herausstellen, dass mit diesem Wagen eine der erfolgreichsten Mercedes Baureihen auf den Markt kam, an deren Status sich bis heute nichts geändert hat.

Der Grund für die Beliebtheit dieses Wagens ist schnell gefunden: Er läuft. Und das Jahr für Jahr, Kilometer für Kilometer, stets zuverlässig. Kilometerstände jenseits der halben Millionen sind dabei keine Ausnahme. Aus diesem Grund ist es nicht vermessen, das Kultauto in einen direkten Zusammenhang zu einer absoluten Legende, dem VW-Golf zu setzen. Schließlich ist der Stuttgarter Wagen das erste und einzige Auto in der Geschichte, das es schaffte, die auch heute noch aktuelle Legende in der Zulassungsstatistik zumindest einmal, im Jahr 1980, um 1390 Einheiten zu überholen.

Bereits das Vorgängermodell des W123, der Strichachter (/8), erfreute sich großer Beliebtheit. Doch bereits als dieses Modell Ende der 1960er Jahre auf den Markt kam, begannen die Ingenieure mit der Planung für eine neue Reihe, des sogenannten kleinen Mercedes. Die Erhöhung der passiven sowie der aktiven Sicherheit sollte dabei im Vordergrund stehen. Der ursprünglich vollkommen neu geplante Motor konnte in der Form jedoch nicht auf den Markt gebracht werden, da die Ölkrise den Planungen einen Strich durch die Rechnung machte. Wenn sich im Inneren auch nicht so viel verändert hatte wie geplant: Äußerlich konnte einiges überarbeitet werden. Die größten Errungenschaften des neuen Modells waren jedoch die verbesserte Sicherheit und Bedienung. Zur Serienausstattung der ersten Modellreihe gehörte unter anderem eine Sicherheitssäule mit verformbaren Wellrohr sowie versenkbare Gurtführungen, an den Sitzen angebrachte Gurtschlösser, ein Kraftstofftank und eine Batterie, die außerhalb der Karosserie-Knautschzonen lagen sowie eine selbstständig abschaltende Heckscheibenheizung und Türgriffe mit Massenausgleich, bei zu starker Querbeschleunigung das selbstständige Öffnen der Türen verhinderten. Das stets griffbereite Warndreieck an der Kofferraumklappe geht auf dieses Modell zurück, ebenso wie bei Temperatureinstellungen, die sich für Fahrer und Beifahrer getrennt regeln lassen. Doppelt abgedichtete Türunterkanten verhinderten zudem ein Verschmutzen des Türeinstiegsbereichs.

Diese Errungenschaften erklären, warum die Wartezeit für den Wagen bald auf über zwei Jahre anstieg und Werkstattbesitzern Exemplare mit 10.000 Kilometern und mehr auf dem Tacho bei Auktionen für weit mehr als den Listenpreis aus den Händen gerissen wurden.

Erst 1982 fallen die Verkaufszahlen mit Erscheinen der Baureihe W201 wieder, weshalb vier Jahre später die Produktion endgültig eingestellt wurde. Dennoch hat der Wagen bis heute nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt und ist wahrlich ein echtes Kultauto.

 

porsche3: Der Porsche 911: Das Vorgängermodell des 911, der Porsche 365 war Ende der 1950er Jahre bereits seit nahezu zehn Jahren nicht mehr verändert worden und entsprach nicht mehr dem Stand der Zeit. Der verwendete Vierzylinder-Boxermotor ließ sich konstruktionsbedingt nicht mehr kostendeckend weiter entwickeln und herstellen. Mit zwei Litern hatte er das Ende seiner Hubraum und Leistungsfähigkeit erreicht. Ein Nachfolger wurde gebraucht, ein Wagen der den 365 in seiner Leistung übertraf, ohne das typische Porschedesign aufzugeben. Ferdinand Alexander Porsche und Erwin Komenda, Leiter der Porsche-Karosseriekonstruktionsabteilung entwickelten neue Designs, von denen am Ende das von Ferdinand Porsche den Zuschlag erhielt, da der Charakter des 356er Modells durch dieses Design besser wiedergespiegelt wurde.

1963 wurde auf der IAA in Frankfurt am Main das Urmodell als Nachfolger des 365 mit der Bezeichnung Porsche 901 vorgestellt. Dieser Name kollidierte mit namensrechtlichen Forderungen von Peugeot, weshalb die mittlere Null durch eine eins ersetzt wurde und der Wagen im Jahr 1964 als 911er auf den Markt kam. Das Urmodell mit einem 2-Lite-Sechszylinder-Boxermotor wurde drei Jahre lang verkauft, bevor die Modellreihe durch ein stärkeres Modell, den 911 S ersetzt wurde. Der Motor war beinahe baugleich, jedoch sportlicher und brachte 188 kW/160 PS an den Start. Im Vergleich zum Ursprungsmodell, das als 911 L bezeichnet wurde, war die Ausstattung umfangreicher und an den charakteristischen Leichtmetallfelgen der Firma Fuchs zu erkennen.

In den darauffolgenden Jahren wurde die Serie um weitere Modelle erweitert, vom T als Einstiegsmodell hin zum S als Topmodell. Der Hubraum und damit die Motorleistung wurden in den Folgejahren ebenfalls vergrößert, sodass der 911 S im Jahr 1971 bereits 140 kW/ 190 PS auf die Straße brachte. 1972 war der 911 S das schnellste in Deutschland gebaute Serienfahrzeug. Für den 911er waren zwei Karosserievarianten lieferbar: Caoupé und Targa, bei dem es sich um ein sogenanntes Sicherheitscabriolet handelte, das über einen Überrollbügel verfügte, bei dem das Dach abgenommen werden konnte. Der erste Porsche mit der Bezeichnung Targa wurde 1965 auf der IAA in Frankfurt am Main vorgestellt und ist bis heute ein beliebtes Modell bei Oldtimer-Liebhabern und Sammlern.